Mazedonische Drehtaube:

Allgemeines: Heimat der Drehtauben ist vor allem der gesamte Balkanbereich, besonders, Mazedonien der Kosovo und die Türkei aber auch Jugoslawien und Griechenland. In diesen Ländern sind Drehtauben stark verbreitet und kommen bei vielen Züchtern in der Wertigkeit unmittelbar nach der Familie. Es kommt vor, dass für gute Tauben mehrere Monatslöhne ausgegeben werden. Diese Rasse ist durch Gastarbeiter schon seit Jahrzehnten auch in Deutschland vertreten. Es gibt sie in allen Farbvarianten jedoch überwiegend sind sie als Schecken anzutreffen. Es handelt sich um eine mittelgroße, intelligente sehr zahm werdende Taube die in der Regel eine Bestrümpfung (Federfüße) zeigt, aber auch ohne Bestrümpfung vorkommt. Der Schwanz wird leicht fächerartig getragen dieses wird durch die Federanzahl begründet die zwischen 12 und 16 betragen kann.

 Die Taubenrasse wird in Ihren Heimatländern im Allgemeinen  als Dunek, Dünek oder auch Dönek bezeichnet. Als Dunek, Dönek oder auch Dünek werden Rassen beschrieben die aus großer Höhe, sich um die eigene Längsachse drehend zur Erde stürzen. In Deutschland und gerade in den Mitgliedsländern der EFU (Europäische Flugroller-Union)  hat sich die Bezeichnung für eng drehende Dunek der Begriff „mazedonische Drehtaube“ durchgesetzt die besonders überwiegend, in Mazedonien , im Kosovarischen Bereich, Jugoslawien und Griechenland anzutreffen sind. Ein sicheres Erkennungszeichen ist die Bestrümpfung aber vorsicht es gibt auch sehr gute eng drehende Mazedonier ohne Bestrümpfung.

 Unterbringung:

 Um die Flugeigenschaften Ganzheitlich zu fördern und zu erleben, sollten die mazedonischen Drehtauben, wie auch in Ihren Heimatländern üblich, in ebenerdigen Schlägen gehalten werden. Vor dem Schlag sollte ein ausreichender  Platz vorhanden sein wo die Tiere baden und sich unter Aufsicht aufhalten können. Man braucht keine Angst zu haben das die Tauben ohne Befehl abfliegen, es sei denn man hat sie nicht im Griff oder keine Kenntniss über ihre Verhaltensweisen.

Es gibt Experten die mit einem Stock die im Schlag sitzende Taube antippen oder nur darauf zeigen und schon fliegt sie hinaus auf den Boden vor dem Schlag, dann noch einen schlag mit dem Stock auf den Boden und schon geht es hinauf in die Luft. Solche Kunststückchen sind natürlich nur mit intensivem Training und Hingabe zu den Tieren zu erreichen, können, tun sie es allemal. Zum Landen brauchen sie keinen großen, aber doch einen angemessenen Landeplatz. Manche kommen auch direkt nach der kunstvollen Drehvorführung, mit  nicht unerheblicher Geschwindigkeit durch die offene Tür, in den Schlag gestürzt, sodaß einem manchmal angst und bange werden kann aber bisher hat sich noch nie eine Taube verletzt. Ich bin davon überzeugt die Tauben wissen ganz genau wo ihre Grenzen sind.

 Das Stürzen und Drehen:

 Das Stürzen und das Drehen ist aus dem Balzverhalten über Jahrhunderte herausgezüchtet worden und ist heute in der  Erbanlage gefestigt, es muß halt immer wieder zum Vorschein gebracht werden.

In ihren Heimatländern und ihren in Deutschland lebenden Landsleuten werden die Matze (gern gewählte Namensabkürzung in der EFU) einzeln und mit Begleittaube geflogen, wobei die Begleittaube den Maz nach oben ziehen und ebenfalls oben in der Luft beruhigen soll. Die Begleittaube ist zumindest für unsere ausländischen Sportfreunde ein äußerst wichtiges Bindeglied.  Hierfür wird eine akribische Auslese der Begleittauben betrieben, jeder hat natürlich die beste Rasse dafür. In der Regel handelt es sich um Hochflugtauben, im Aussehen ähneln die meisten dem Buderpester und Wiener Hochfliegern oder es sind Kreuzungen dieser Gruppe. Mein spezieller Freund L. Dimitrov schwört als Begleittaube auf Bangos, die er aus 40 Jähriger Erfahrung mit Mazedonischen Dunek’s als die beste Begleittaubenrasse hält. Außerdem fliegt er Bangos im Stich, mit Erfolg im Hochflugwettbewerb. Neu hinzu gekommen als Begleittauben sind die Demkesch, eine kleine hoch fliegende Taube.

 Ist die Taube in ausreichender Höhe werden die oder der Dropper gesetzt. Am Haus kann auch die Schlagtür aufgemacht werden , bei entsprechendem Training stürmen die Artgenossen heraus.  In dem Moment der Droppererkennung beginnt die Sturzfase. Mit dem Kopf voran geht es der Erde entgegen dabei soll sich die Taube, im Idealfall mit angelegten Schwingen um die eigene Achse, von Sturzanfang bis kurz über dem Boden, möglichst schnell drehen.  Doch wie gesagt, das wäre das Ideal.

So gibt es verschiedenartige Drehfiguren die einmal als Banane oder auch Kugel beschrieben werden. Die Bananendreher zeigen beim Absturz Drehungen die an eine trudelnde Banane erinnern und durch das anlegen der Schwingen und eine leichte Schräglage oder eine Durchbiegung des Körpers nach hinten hervorgerufen werden. Es gibt aber auch reine Stürzer die ohne Drehungen stürzen und so manch andere Sturzflugrasse erblassen lassen können, dieses ist aber nicht das Zuchtziel dieser Rasse.

Die Kugelfigur wird durch das leichte öffnen des Flügelbugs erreicht, sodaß von unten betrachtet die stürzende Taube wie ein Ball  aussieht. Solche sauberen und dazu noch lang durchgezogenen Flugfiguren sind zumindest hier im deutschen Raum selten und erfordern einen sehr guten Zuchtstamm, da wie bekannt, nicht alle anfallenden Tiere gute Dreher sind.

Um gute Flugfiguren zu erreichen ist die Position der Taube, beim Beginn des Sturzes, ein äüßerst wichtiges Kriterium, meistens sogar die Entscheidung zwischen einem erfogreichen oder schlechten Flug.

Ideal ist der Sturzwinkel von 90° über dem Landeplatz, erst dann entwickelt die mazedonische Drehtaube ihr  Drehvermögen. Wird unter flacherem Winkel gedroppt stürzt die Taube meistens ohne Drehungen zur Erde, fängt sie dann aber doch an zu drehen wird dieses in den meisten Fällen unter 90° zur Erdoberfläche geschehen, das heißt die Taube kann an anderer Stelle herunterkommen. Anders ist das bei den offen drehenden Duneks diese drehen auch unter einem flacheren Winkel schräg zur Erdoberfläche, welches wahrscheinlich durch die schraubende, mehr offene, Flugweise möglich wird.

Wichtig ist das beim Stürzen eine ausreichende Geschwindigkeit erreicht wird die erst enge Drehungen ermöglichen, ist nicht genügend Druck nach unten vorhanden können selbst ansonst eng drehende Tauben offen werden.

Training:

Jungtauben sollten nach dem Absetzen eine Woche an die Umgebung gewöhnt werden und nach ca. nochmals einer Woche mit alten ruhigen Tauben eingeflogen werden. Auch die Gewöhnung an den Flugkasten ist relativ unproblematisch . Ich setze die ausgesuchten Jungen ca. 1 Woche lang immer zur Füterung von Hand in den Flugkasten. Man glaubt nicht wie schnell die das begriffen haben. Danach lasse  ich die Täubchen den, vom Hausschlag, ca. 10 m weit entfernt stehenden Flugkasten von selbst anfliegen, das hat bisher hervorragend funktioniert. Danach geht’s ins Gelände, zuerst muß vorsichtig hantiert werden bis die Tauben das erste mal eine kleine Runde geflogen haben und den Flugkasten sicher wieder angeflogen haben, danach kann aber kräftig gejagt werden.

 Manche Tauben zeigen schon sehr früh erste Ansätze von Drehungen andere wiederum erst nach einem oder sogar zwei Jahren. Sicher ist, dass gute Drehfiguren erst im zweiten Jahr und später zu erwarten sind.

Um gute Drehtauben zu erhalten sollte so oft wie möglich trainiert werden,  wer die Zeit hat ist tägliches Training ideal. Gerade Jungtauben  brauchen intensives Training. Auf dem Flugkasten wird jeden zweiten Tag trainiert, wobei jede Taube mindestens 2 mal fliegen muß, hierbei trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei viel versprechenden Jungtauben kommt hinzu, dass sie  Anfangs manchmal sehr offen drehen, dieses hängt mit einer geringeren Sturzgeschwindigkeit zusammen welches vermutlich mit Unsicherheit und der noch sehr weichen Feder zusammenhängen wird, das heißt es muß abgewartet werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass junge Tauben die am Anfang der Sturzfase und auch zwischendurch einige Meter mit herausgedrückter Brust und etwas offen stürzen später gut drehende Tauben werden können. Hierzu gibt es auch gegenteilige Stimmen die solche Jungtauben nicht weiter fliegen würden. 

Leider scheint hier in Deutschland noch nicht die hohe Qualtät von eng drehenden mazedonischen Drehtauben durchgehend vorhanden zu sein, wie mir immer wieder von mazedonischen oder griechischen Sportfreunden versichert wird.

Auch haben unsere ausländischen Sportfreunde besondere Ansprüche an das Drehen, bei Ihnen ist das Drehen nicht gleich Drehen.  Solche Feinheiten kann man nur erfahren wenn man die Rasse über mehrere Jahre selber züchtet und auch intensiv fliegt, ein enger Kontakt zu den Spezialisten ist von Vorteil und meines Erachtens erforderlich..

 Zucht:

 Die Zucht ist recht einfach. Die mazedonischen Drehtauben sind sehr gute Eltern und vier Bruten sind allemal drin . Der Platzbedarf ist nicht anders als bei anderen Tauben auch.

Schwieriger wird es bei der Zusammenstellung der Zuchttauben. Hier muß unbedingt auf eine Ausgleichspaarung geachtet werden, sehr eng drehende  mit einer etwas offeneren Taube, lang durchziehende mit einer kürzer durchziehenden Taube  u.sw. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, etwas Fingerspitzengefühl, Erfahrung und gutes Zuchtmaterial gehört natürlich auch dazu.

 Fütterung:

 Ich füttere meine Tauben mit einem guten käuflichen Mischfutter dem ich ca. 30% gute Braugerste zumische. Vorsichtig ist mit Sämereien umzugehen, wie bei allen Flugtauben sind Sämereien besonders die Ölhaltigen, wie Benzin aufs Feuer.

Soll mit den Tauben geflogen werden, ist eine knappe Fütterung angebracht, hungern dürfen sie aber auch nicht, das heißt, man muß das richtige Maß selbst herausfinden dieses erfordert sicherlich wiederum etwas Geduld und Fingerspitzengefühl.

Sicher ist, vor dem Fliegen darf grundsätzlich nicht gefüttert werden. Sind die Tauben noch satt fehlt ihnen beim Sturz merklich der Zug nach unten.   

Taubenmineralien und Grünfutter wie Vogelmiere und feingeschnittene Zwiebeln und Koblauch sind ein Muß. Angekeimtes Getreide fördert die Gesundheit und Federbildung durch Vitamine und Aminosäuren ungemein. Probiert es selbst mal aus. Das Getreide sollte aber unbedingt aus dem Reformhaus kommen z.B. eine 6 Korn Mischung, da das herkömmliche Taubenfutter mit Schimmelpilzsporen behaftet sein kann die durch den Keimprozeß enorm wachsen und anschließend zu Vergiftungen der Tauben führen können. Ich wünsche allen die sich der mazedonischen Drehtaube verschrieben haben oder es noch tun wollen viel Erfolg. Ich selbst züchte diese liebenswerte Rasse schon seit 1986 und werde wohl nie wieder davon loskommen. Die Rasse ist es Wert wenn sich mehr Sportsfreunde dieser Taube annehmen würden.